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Lavandula - Lavendel
Das heiße, trockene und sonnige Wetter hat dem Lavendel gefallen in diesem Jahr hat er sich (bisher!) in Norddeutschland fast wie am Mittelmeer gefühlt, also: heimisch. Die Sonne hilft ihm dabei, möglichst viel ätherisches Öl in Blättern und Blüten anzureichern. Für genau dieses ätherische Öl wird der Lavendel kommerziell angebaut. Der größte Teil des Lavendelöles stammt aus Feldern in Südfrankreich; aber es gibt auch in England, z.B. in Norfolk, und in anderen südeuropäischen Ländern wie Spanien und Kroatien große Lavendelfelder. Dort wird meist Lavandin angebaut, der gezüchtete Provence-Lavendel, der lange Stängel hat und deswegen leichter maschinell zu ernten ist, und der eine besonders hohe Duftölausbeute garantiert. Während man ca. 50 kg Lavandin braucht, um ein Kilo Lavendelöl zu gewinnen, müssen schon 150 kg des wilden Hochland-Lavendels für dieselbe Menge Öl gesammelt werden und zwar von Hand. Das erklärt die großen Preisunterschiede.
Bei uns im Garten steht dieser schöne Strauch meist, weil er so blau blüht, weil er zu Rosen so zauberhaft aussieht und weil er Bienen, Hummeln und Faltern Nahrung bietet. Auch für niedrige Hecken und Einfassungen eignet sich Lavendel ganz wunderbar. Da er immergrün ist, gibt er dem Garten auch im Winter Struktur. Die Vielfalt an Sorten ist unüberschaubar; von der dunkelblauen, kompakt wachsenden 'Hidcote Blue' bis hin zu dem verspielten Schopflavendel mit seinen leuchtenden Hochblättern. Es gibt auch zartrosa und weiß blühende Sorten. Lavendel schätzt durchlässige Böden und einen vollsonnigen Standort. Er kommt allerdings auch mit halbschattigen Standorten klar. Wenn man den Boden unter dem Lavendel mit hellem Kies mulcht, wächst er besser, da er die Wärme und das Licht schätzt, die von den hellen Steinen reflektiert werden. Außerdem freut er sich über eine Handvoll Düngekalk im Frühjahr.
Im Winter leidet Lavendel bei uns nicht unter der Kälte, sondern unter der Nässe und der hohen Luftfeuchtigkeit. Auch schwere, nasse Böden machen ihm zu schaffen. Schopflavendel ist hier bei uns nur bedingt winterhart; wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte ihn im Kübel halten. In meinem Garten hat der Schopflavendel allerdings die letzten beiden Winter gut überstanden; er steht allerdings auch in einer sehr geschützten Ecke. Die exotischeren Sorten wie Zahnlavendel (Lavandula dentata) und Baumlavendel (Lavandula x allardii) müssen frostfrei überwintern; aber sie sind wunderbare, dekorative Kübelpflanzen mit einem sehr exotischen Touch. Die Mühe lohnt also durchaus.
Lavendelsträucher verholzen sehr stark, wenn man sie nicht zurückschneidet, und sehen dann in der Mitte kahl und unansehnlich aus. Man sollte sie im zeitigen Frühjahr auf ein Drittel einkürzen; dann treiben sie schön buschig wieder durch. Lavendelsämlinge fallen immer leicht unterschiedlich aus; wenn man also einen Lieblingsbusch z.B. für eine Lavendelhecke vermehren will, muss man das über Stecklinge machen.
Heilwirkung
Wenn man in seiner Hausapotheke nur Platz für ein ätherisches Öl hätte, müsste dieser Platz sicherlich vom Lavendelöl eingenommen werden. Es hilft bei vielen kleinen und großen Zipperchen und gehört zu den wenigen Ölen, die man unbedenklich auch unverdünnt anwenden kann. Lavendelöl eignet sich zur ersten Versorgung von Wunden (noch im ersten Weltkrieg wurden in den Feldlazaretten der französischen Armee auch sehr schwere Wunden mit reinem Lavendelöl behandelt). Das Öl desinfiziert und fördert die schnelle und saubere Wundheilung. Man kann es unverdünnt in oder auf blutende Wunden geben. Wahre Wunder vollbringt es bei Verbrennungen. Man hört immer, dass man kein Öl auf Brandwunden geben soll; das ist richtig, gilt aber eben für fette Öle. Das ätherische Lavendelöl darf man direkt und unverdünnt auf Verbrennungen geben; der Schmerz lässt dann innerhalb von Minuten nach, und die Verbrennung heilt meist ab, ohne dass Narben bleiben. Bei Sonnenbrand können Sie ein paar Tropfen Lavendelöl in einer Bodylotion auflösen und sich damit einreiben.
Durch die stark antiseptische Wirkung eignet sich Lavendelöl z. B. auch zur Behandlung von Pickelchen (unverdünnt auftupfen) oder zur Beduftung von Krankenzimmern. Hier kann er dann auch seine entspannende, entkrampfende und beruhigende Wirkung zum Besten entfalten. Bei Spannungskopfschmerz hilft ein Fußbad mit einem Absud aus Lavendelblüten; oder, unterwegs, ein Tropfen Lavendelöl auf die Schläfen oder in den Nacken. Zur Nacht kann man einen Kräutertee aus Lavendel, Melisse und Ringelblumen trinken, um zur Ruhe zu kommen. Und schließlich kann man dieses vielseitige Kraut auch noch im Haushalt einsetzen: getrocknete Lavendelblüten oder ein mit dem ätherischen Öl beduftetes Tüchlein halten Motten aus den Schränken fern; und das reine ätherische Öl löst Kleber-Rückstände z.B auf Glasflaschen, wenn nichts anderes Wirkung zeigt.
Es gibt Lavendelöl in vielen unterschiedlichen Qualitäten und Preisklassen zu kaufen. Ich würde empfehlen, ein günstiges Lavandin-Öl für den Haushalt und eine kleine Menge des kostbaren Hochland-Lavendels für therapeutische Zwecke anzuschaffen. Kaufen Sie alle ätherischen Öle im Fachhandel! In dieser Branche wird unglaublich viel gepanscht und gestreckt.
Rezept
Erste-Hilfe-Fläschchen für Krisenzeiten
10 ml Trägeröl (Mandelöl, Sonnenblumenöl, Jojobaöl)
je 20 Tropfen ätherisches Öl von Bergamotte und Lavendel
und 5 Tropfen Narde
In eine kleine Flasche geben und verschütteln. Bei Stress, Schock, Panik oder auch schlichter nervöser Anspannung ein paar Tropfen auf dem Solarplexus verreiben (oder, wenn das gerade nicht praktikabel ist, auch auf die Schläfen oder in die Handflächen). Beruhigt und zentriert. Erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut! Im Sommer also nicht auf Hautstellen auftragen, die der Sonne ausgesetzt sind (am besten auf die Fußsohlen...).
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