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Beifuß - Artemisia vulgaris
Beifuß wächst überall, an Straßenrändern, auf Brachflächen, an Bahngleisen und am Knick. Die Blüten des Beifuß sind unscheinbar rostbraun, tragen aber viel goldgelben Pollen. Die gefiederten Blätter sind an der Oberfläche graugrün, an der Unterseite matt grau. Viele Menschen wissen heute nicht mehr, was das für eine Pflanze ist, die dort allen schlechten Bedingungen zum Trotz munter gedeiht. Früher war das anders in der Antike war der Beifuß der Göttin Artemis geweiht und galt als hilfreich bei allen Frauenkrankheiten. Bei den Kelten galt der Beifuß als Mutter aller Heilkräuter, als wirkungsvollstes Kraut überhaupt. Zur Sommersonnenwende legte man sich einen Gürtel aus Beifuß um die Hüften und sprang dann durchs Sonnenwendfeuer das gab Kraft für das ganze kommende Jahr. Auch Thor trug einen Zaubergürtel aus Beifuß, der ihm Kraft gab. Heute fällt den meisten zum Beifuß nur die Martinsgans ein, deren Bauch er füllt. Der graue Beifuß, also die welken Blätter, sind das letzte Kraut, das man zu Samain, bei uns neuerdings nach amerikanischer Art als Halloween gefeiert, noch ernten kann. Zum Martinstag findet er dann seinen Weg in den Gänsebauch. Beifuß, auch Artemisia vulgaris, ist verwandt mit Wermut, Eberraute und Estragon.
Zur Kultur des Beifuß muss nicht viel gesagt werden; er wächst praktisch überall, mag aber sonnige Standorte. An Straßenrändern wird er zwischen 60 und 120 cm hoch; in meinem Garten steht der Beifuß recht zentral in gutem Boden und hat in diesem Jahr die stattliche Höhe von 2,50 Meter erreicht.
Heilwirkung
Bei uns ist Beifuß vor allem bekannt dafür, dass er beim Verdauen fetter Speisen hilft. Deswegen ist er in der Gans schon ganz richtig aufgehoben. Aber er kann noch viel mehr. Er gehört zu den wärmenden Kräutern und hilft gegen alle Beschwerden, die durch Kälte und Verkrampfungen entstanden sind vor allem im Bereich der Frauenheilkunde. Beifuß reguliert die Menstruation, hilft bei Regelschmerzen und wird unterstützend während der Geburt eingesetzt. Aber Vorsicht: er ist stark regeltreibend und sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Seine wärmende und entspannende Wirkung entfaltet er aber nicht nur im Unterleib. Er ist besonders gut geeignet, um müde Füße und Beine zu pflegen die römischen Soldaten sollen bei ihrem Feldzug um die Welt Beifuß in ihren Sandalen getragen haben. Nach einem Tag, an dem man viel gestanden hat oder viel gelaufen ist, freuen sich Beine und Füße über ein Fußbad mit Beifußabsud. Und wer Einschlafprobleme hat, sollte sich ein kleines Kissen nähen und es mit getrocknetem Beifuß füllen. Neben das Kopfkissen gelegt fördert es den Schlaf und gute Träume.
Beifuß ist zwar um vieles milder als sein bekannter Bruder Wermut; trotzdem sollte auch er innerlich nur gezielt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Der japanische Beifuß, Yomogi, wird getrocknet als Moxa in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt. Kleine Moxa-Kegel werden auf die Akupunktur-Nadeln gesetzt und angezündet, um durch Kälte entstandene Schäden auszugleichen. Es gibt auch die dicken Moxa-Zigarren, mit deren Glut die Akupunkturpunkte direkt erwärmt werden. So werden Blockaden in den Meridianen aufgelöst. Yomogi ist auch traditionell Bestandteil der japanischen Klebreisküchlein Mochi.
Man kann Beifuß jetzt noch gut ernten; man sollte ihn allerdings nicht am Straßenrand sammeln. Setzen Sie doch einmal ein Beifußöl an:
Sammeln Sie ein paar Handvoll Beifußblätter und blüten. Entfernen Sie die Stängel, damit das Ganze nicht so sperrig ist. Geben Sie das Kraut in eine Metallschüssel und übergießen Sie es mit Sonnenblumenöl. Erwärmen Sie das Öl im Wasserbad. Es sollte nicht wärmer als 45 Grad werden (sich also nicht mehr heiß anfühlen, wenn man reinfasst). Lassen Sie es etwa zwei Stunden lang ausziehen. Wenn es zu heiß wird, nehmen Sie es von der Flamme und stellen es wieder auf, wenn es abgekühlt ist. Wenn das Öl eine kräftig grüne Farbe bekommen hat, können Sie es abseihen. Ich empfehle dafür ein mit Küchentuch ausgelegtes Sieb. Wenn das meiste Öl abgelaufen ist, können Sie das Küchentuch über das Kraut falten und den Rest auspressen. Dieses Öl ist eine wahre Wohltat für müde Beine und Füße. Massieren Sie es von unten nach oben ein.
Und hier noch ein Extra-Rezept für Selbstrührer:
Beifuß-Fußbutter
Bodybutter oder Körperbutter liegt ja in der letzten Zeit voll im Trend; vielleicht ist es ein Anzeichen dafür, dass der Verbraucher genug hat von Emulsionen, die zum größten Teil aus Wasser bestehen und nur durch Einsatz großer Mengen Emulgator überhaupt wie etwas aussehen, das zur Körperpflege bestimmt ist.
Als Ergänzung zur Körperbutter hier also ein Fußbutter-Rezept. Diese Fußbutter pflegt und erfrischt müde Füße, wärmt und entspannt und ist natürlich auch als Handpflege zu benutzen. Sie hat eine herrliche, samtige Konsistenz.
Schmelzen Sie im Wasserbad 50 g Bienenwachs in einer Metallschüssel. Wenn es ganz geschmolzen ist, nehmen Sie den Topf von der Flamme und geben 60 Gramm Sheabutter und 60 Gramm Kakaobutter dazu. Zum Schmelzen dieser Fette sollte die Restwärme ausreichen; sie sollten nicht zu hoch erhitzt werden. Verrühren Sie das Ganze kräftig mit dem Schneebesen und geben Sie dann 150 ml handwarmes Beifußöl (siehe oben) und 10 Tropfen Lavendelöl dazu. Nochmals gut umrühren und in Formen füllen. Ich gieße meine Fuß-Butter in Eiswürfelbehälter; man kann auch größere Formen nehmen wie die Eier-Einsätze im Kühlschrank, alte Jogurtbecher (nur eineinhalb cm hoch einfüllen) oder hübsche Seifenformen. In den Kühlschank damit. Wenn die Butter hart ist, aus der Form holen (das ist ganz leicht; die Masse schrumpft ein bisschen, wenn sie abkühlt). Und zur Anwendung: zwischen den Händen reiben wie ein Stück Seife, wenn genug abgeschmolzen ist, damit die Füße massieren. MMhhh! Und sie dann am besten gleich hochlegen.
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